Fast zwanzig Jahre lang waren sie verschwunden: die Bundfalten. Der Triumph des Slim Fit hatte sie ins Archiv der Geschichte verbannt – etwas für Väter, weite Passformen, Achtzigerjahre. Und doch sind sie wieder da. Auf den Laufstegen, in den Schaufenstern, in den Kleiderschränken derjenigen, die die Herrenmode im Auge behalten.
Das ist keine Nostalgie. Es ist etwas Präziseres.
Was sind sie, für diejenigen, die es nicht wissen
Bundfalten sind vertikale Falten an der Vorderseite der Hose, oben genäht und nach unten offen. Sie dienen dazu, im Hüft- und Oberschenkelbereich Volumen zu schaffen – dort, wo es nötig ist, ohne zu zwicken, ohne zu ziehen, ohne die Spannung am Stoff, die sowohl den Komfort als auch das Aussehen beeinträchtigt.
Es gibt zwei Hauptversionen. Bundfalten, die nach außen, zu den Taschen hin zeigen, öffnen den Stoff an den Hüften und verleihen eine weite und weiche Silhouette. Diejenigen, die zur Mitte hin, zum Hosenschlitz hin zeigen, haben einen saubereren und zurückhaltenderen Effekt. Der Unterschied ist subtil, aber sichtbar und verändert den endgültigen Charakter der Hose stark.
Warum sie verschwanden – und warum sie jetzt zurückkehren
Das Verschwinden der Bundfalten in den 2000er-Jahren ist kein Geheimnis. Die Mode hatte eine klare Richtung eingeschlagen: Körper, Enge, konstruierte Silhouette. Bundfalten waren das genaue Gegenteil dieser Ästhetik. Volumen, Bewegung, atmender Stoff – alles, was die Slim-Welt zu eliminieren versuchte.
Die Rückkehr folgt derselben Logik. Nach Jahren obsessiven Slims ist das Pendel zurückgeschwungen. Hosen mit hoher Taille und Bundfalten sind zum Symbol dieser Umkehr geworden: elegant, aber nicht einengend, strukturiert, aber nicht steif. Es gibt auch ein visuelles Element, das hilft – die Ästhetik der Vierziger- und Fünfzigerjahre ist wieder im Trend, und Bundfalten gehören dazu.
Der konkreteste Grund ist aber der Komfort. Wer eine gut verarbeitete Bundfaltenhose getragen hat, weiß, dass es schwierig ist, zu etwas Enge zurückzukehren. Der Körper atmet. Die Bewegungen sind frei. Sitzen, Treppen steigen, stundenlang stehen – alles geht besser.
Für welche Körperformen sie geeignet sind
Man muss es klar sagen: Bundfalten stehen nicht jedem gleich gut.
Bei mittleren und großen Körperformen sind sie außergewöhnlich. Sie schaffen dort Platz, wo er benötigt wird, beseitigen Spannungen an Hüften und Oberschenkeln und ermöglichen eine Bewegungsfreiheit, die kein Slim Fit bieten kann. Ein Mann mit ausgeprägten Hüften oder kräftigen Oberschenkeln, der eine Bundfaltenhose trägt, wirkt sofort gepflegter als jemand, der eine enge Passform erzwingt, die ihm nicht steht.
Bei sehr schlanken und geradlinigen Körperformen ist der Effekt anders. Bundfalten fügen Volumen hinzu, wo es nicht nötig ist, und riskieren, falsche Proportionen zu erzeugen. In diesen Fällen ist es besser, eine einzelne statt einer doppelten Bundfalte zu wählen oder eine Hose mit flachen Taschen.
Für Personen mit durchschnittlicher Statur ist die einzelne Bundfalte, die zur Mitte zeigt, die vielseitigste Lösung. Ein Hauch von Volumen, ohne zu übertreiben.
Wie man sie kombiniert, ohne verkleidet auszusehen
Die Bundfaltenhose verlangt nicht unbedingt eine formelle Kombination. Im Gegenteil, es ist gerade ihre Fähigkeit, sich mit Lässigkeit zu vermischen, die sie wieder in Mode gebracht hat.
Mit einem weiten, nicht eingesteckten Hemd und Wildlederschuhen – einem Mokassin, einem Derby – wird sie zum Mittelpunkt eines smart-casual Outfits mit großem Charakter. Mit einem klassischen Einreiher-Sakko und Schnürschuhen kehrt sie zu ihrem ursprünglichen Register der Schneider-Eleganz zurück.
Die Herrenhosen mit hoher Taille passen natürlich gut zu Bundfalten: Die hohe Taille betont die Falten, hebt die Silhouette hervor und vervollständigt die Ästhetik des Kleidungsstücks. Es ist eine Kombination, die etwas Mut erfordert, aber wenn man sie gut getragen sieht, vergisst man sie nicht so leicht.
Für ein komplettes Outfit harmonieren Bundfalten hervorragend mit einem einreihigen Anzug aus weichem Stoff. Die Struktur des Sakkos gleicht das Volumen der Hose aus und schafft eine harmonische Proportion, die sowohl in formellen als auch in weniger strengen Kontexten funktioniert.
Es lohnt sich, sie anzuprobieren
Der einzige Rat für diejenigen, die sie noch nie getragen haben, ist: Probieren Sie sie an, bevor Sie urteilen. Auf dem Papier scheinen sie eine mutige Wahl zu sein. Am Körper fühlen sie sich oft wie das Natürlichste der Welt an – als hätte der eigene Körper diesen Platz schon immer gebraucht.
Mode ändert sich, Trends kommen und gehen. Was gut sitzt, vergeht jedoch nie.



